Plötzlich schwankt der Boden unter den Füßen und die Umgebung dreht sich. Wer an Schwindel leidet, fühlt sich unsicher auf den Beinen oder muss sich sogar festhalten, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Die Ursachen von Schwindel können vielseitig sein. Unterschätzt wird jedoch die Rolle der Halswirbelsäule. Wie Nackenschmerzen und Schwindel zusammenhängen und welche Behandlungsmethoden es beim HWS-Syndrom gibt, erfahren Sie hier.

Wenn Nackenverspannungen Schwindel auslösen: Das HWS-Syndrom

Eine hohe Spannung der Nackenmuskulatur kann die Ursache für Schwindel sein. Man spricht in hier auch von dem Halswirbelsäulen-Syndrom (HWS-Syndrom) oder dem HWS-Schwindel bzw. zervikalen Schwindel. Oft wird unterschätzt, welchen großen Faktor die Halswirbelsäule bzw. deren Muskulatur bei Schwindel spielt. Schätzungsweise ist das HWS-Syndrom bei 40 % aller Schwindel-Fälle die Ursache.

Doch was geschieht beim HWS-Syndrom im Körper? Die Muskeln an der Halswirbelsäule (Musculus spenius und Musculus semispinalis capitis) verspannen sich stark und lösen so den Schwindel aus. Das kann auf zwei Arten passieren.

1. HWS-Muskeln drücken auf die Nerven

Die Muskeln an der Halswirbelsäule können sich so stark verspannen, dass sie auf die Nerven drücken, die aus der HWS austreten. Diese Nerven werden dadurch irritiert und senden falsche Signale über die Lage des Kopfes an das Gleichgewichtszentrum. Das Gehirn kann nun die unterschiedlichen Informationen über die Kopfhaltung, die es von Augen, Ohren und HWS-Nerven erhält, nicht richtig interpretieren. Es reagiert mit: Schwindel.

2. HWS-Muskeln engen die Blutgefäße ein

Die verspannten HWS-Muskeln schwellen an und engen die Arteria vertebralis ein – zwei Arterien, die links und rechts an der Halswirbelsäule entlang verlaufen. Zusammen mit den großen Halsgefäßen versorgen sie das Gehirn mit Blut. Werden die Arterien nur leicht abgedrückt, führt dies bereits zu Schwankungen in der Sauerstoffversorgung. Darauf reagiert das Gehirn mit Schwindelgefühlen.

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An der Halswirbelsäule verlaufen Nerven (in Gelb dargestellt) und Arterien (rot). Diese können durch verspannte Muskeln eingeengt werden, was Schwindelgefühle auslöst.

Symptome des HWS-Syndroms: Nackenschmerzen, Schwindel, Tinnitus

Das HWS-Syndrom kann nicht nur Schwindel sowie Schulter- und Nackenschmerzen auslösen. Oft berichten Betroffene auch von Ohrgeräuschen (Tinnitus), Kopfschmerzen oder Kribbeln bzw. Taubheitsgefühlen in den Händen. Die Beschwerden können bis hin zu Sehstörungen, Übelkeit und Atemnot reichen.

Durch die Verspannung der Nackenmuskulatur ist zudem häufig die Beweglichkeit des Halses und Kopfes eingeschränkt. Vor allem die Drehung des Kopfes, um nach schräg hinten zu sehen, fällt schwerer.

Der Schwindel äußert sich meist in einem Schwankschwindel. Es fühlt sich so an, als würde der Boden zur Seite schwanken – vergleichbar mit dem Schwindelgefühl bei Trunkenheit. Daraus resultieren eine leichte Gangunsicherheit und ein gestörtes Lagegefühl im Raum.

Ursachen der Verspannung: Woher kommen die Nackenschmerzen?

Die starken Verspannungen im HWS-Bereich, die die Nackenschmerzen und den Schwindel auslösen, entstehen meist durch eine dieser drei Ursachen:

  1. Fehlhaltung

Eine nach vorn geneigte Kopfhaltung übt einen starken Zug auf die Nackenmuskeln aus, die sich nach einiger Zeit stark verspannen. Typischerweise entsteht diese Fehlhaltung beim Arbeiten am Schreibtisch, Autofahren oder Nutzen des Smartphones. Man spricht hier von einer funktionellen Ursache.

  1. Abnutzungserscheinungen

Die Schmerzen können auch eine degenerative Ursache haben. Dazu zählt die Arthrose, die die Gleitfähigkeit der Wirbel reduziert. Auch ein Bandscheibenvorfall, bei dem der Bandscheiben-Kern auf Nervenstränge drückt, kann die Schmerzen auslösen.

  1. Unfall

Nicht zuletzt können die Nackenverspannungen posttraumatisch durch einen Unfall ausgelöst werden. Bei ruckartigen Bewegungen, zum Beispiel durch den Aufprall beim Autounfall, werden die Muskeln stark angespannt. Dieses Schleudertrauma hält auch nach dem Geschehen weiter an und kann den Schwindel auslösen.

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Nackenschmerzen können vielseitige Ursachen haben. Eine gründliche Untersuchung ist daher elementar, um die richtige Therapie finden.

Ursachen von Schwindel: Zahlreiche Möglichkeiten erschweren die Diagnose

Wenn Sie sich fragen: Der Verbindung von Nackenschmerzen und Schwindel klingt so einleuchtend – wie kann es sein, dass der Arzt es nicht erkannt hat? Dann könnte es daran liegen, dass bei manchen Medizinern dieser Zusammenhang noch diskutiert und nicht allseits anerkannt wird.

Außerdem kann Schwindel vielseitige Ursachen haben, die schwer zu diagnostizieren sind. Daher ist eine gründliche orthopädische bzw. sportärztliche Untersuchung bei Schwindel sehr wichtig, um die tatsächliche Ursache zu finden. Schließlich können auch die Nackenschmerzen unabhängig vom Schwindel auftreten. Zur Diagnose des HWS-Syndroms müssen zumeist per Ausschlussverfahren weitere Ursachen geprüft werden.

Weitere Ursachen von Schwindel können sein:

  • Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule
  • Einengungen im Gehirn, z. B. durch einen Tumor
  • Sauerstoffmangel
  • Veränderungen des Blutes und seiner Sauerstoffträger (auch Eisenmangel)
  • Nervenschäden
  • Erkrankungen des Innenohrs
  • Herz- oder Gefäßprobleme, z. B. Arteriosklerose
  • Knöcherne Veränderungen oder Weichgewebsveränderungen im Nacken-Schädel-Bereich
  • Innenohrprobleme

Die richtige Diagnose ist der Schlüssel zur Therapie

Viele Patienten leben jahrelang mit dem Schwindel, weil die Ursache nicht richtig erkannt wird – und folglich auch keine gezielte Therapie eingeleitet wird. Denn genauso vielseitig wie die Ursachen von Schwindel sind auch die jeweiligen Behandlungsmethoden. Bei einer falschen Diagnose bleiben sie oft wirkungslos.

Die richtige Diagnose ist daher der Schlüssel zur erfolgreichen Therapie von Schwindel. Die Voraussetzung dafür ist eine gründliche Untersuchung. Nach der korrekten Diagnose kann man eine Therapie einleiten, die sich gezielt gegen die Ursache des Schwindels und der Nackenschmerzen richtet.

Therapie von HWS-Schwindel und Nackenschmerzen

Der HWS-Schwindel ist in der Regel gut therapierbar und kann durch die gezielte Behandlung komplett beseitigt werden. Wenn es sich also tatsächlich um das HWS-Syndrom handelt, lässt es sich in wenigen Sitzungen – manchmal bereits in einer einzigen – wirksam lösen.

Gute Erfolge bei HWS-Schwindel lassen sich durch Osteopathie (manuelle Therapie) erzielen. Hier spürt der Arzt durch Ertasten die Muskelverspannungen und Blockaden an der Halswirbelsäule auf – und löst sie mit einem gezielten Griff. Daraufhin können die Muskeln sich entspannen, wodurch die Ursache des Schwindels ausgeschaltet wird. Schon nach einer Sitzung reduzieren sich die Beschwerden spürbar.

Auch Akupunktur kann dabei helfen, die Verspannungen im Nacken zu lösen. Entspannt sich die Muskulatur, verschwinden damit meist auch der Schwindel und weitere Symptome wie Tinnitus.

Unterstützend zur Therapie kann man Wärmebehandlungen einsetzen. Diese fördern die Entspannung der Muskulatur und können so die Nackenschmerzen lindern.

Insbesondere wenn der HWS-Schwindel von einer Fehlhaltung verursacht wurde, sollte eine Physiotherapie zur Vorbeugung erneuter Beschwerden eingeleitet werden. Das Ziel ist es, die Nackenmuskulatur zu stärken und neue, gesunde Haltungsmuster zu erlernen.

Der HWS-Schwindel ist in der Regel gut therapierbar und kann durch die gezielte Behandlung komplett beseitigt werden. Wenn es sich also tatsächlich um das HWS-Syndrom handelt, lässt es sich in wenigen Sitzungen – manchmal bereits in einer einzigen – wirksam lösen.

Gute Erfolge bei HWS-Schwindel lassen sich durch Osteopathie (manuelle Therapie) erzielen. Hier spürt der Arzt durch Ertasten die Muskelverspannungen und Blockaden an der Halswirbelsäule auf – und löst sie mit einem gezielten Griff. Daraufhin können die Muskeln sich entspannen, wodurch die Ursache des Schwindels ausgeschaltet wird. Schon nach einer Sitzung reduzieren sich die Beschwerden spürbar.

Auch Akupunktur kann dabei helfen, die Verspannungen im Nacken zu lösen. Entspannt sich die Muskulatur, verschwinden damit meist auch der Schwindel und weitere Symptome wie Tinnitus.

Unterstützend zur Therapie kann man Wärmebehandlungen einsetzen. Diese fördern die Entspannung der Muskulatur und können so die Nackenschmerzen lindern.

Insbesondere wenn der HWS-Schwindel von einer Fehlhaltung verursacht wurde, sollte eine Physiotherapie zur Vorbeugung erneuter Beschwerden eingeleitet werden. Das Ziel ist es, die Nackenmuskulatur zu stärken und neue, gesunde Haltungsmuster zu erlernen.

Sind Sie auf der Suche nach einem erfahrenen Orthopäden oder wünschen eine individuelle Beratung bei Nackenschmerzen und Schwindel? Dann nehmen Sie gern hier Kontakt zu unserer orthopädischen Privatpraxis in Berlin-Zehlendorf auf oder buchen Sie online Ihren Termin.

Beitragstitelbild: (c) siam.pukkato / shutterstock.com